Yirawala, Känguru © VG Bild Kunst, Bonn 2026
Mit dieser Rindenmalerei verewigte der renommierte Aborigine-Künstler Yirawala das australische Nationaltier: ein kräftiges Känguru in aufrechter, beinahe tänzerischer Haltung. Typisch für die Malereien der Clans, die im westlichen Arnhemland, einem Gebiet im äußersten Nordosten des Northern Territory, siedeln, sind Linien und Kreuzschraffuren in weißen und ockerfarbenen Erdpigmenten, die den Tierkörper gliedern. Gut zu erkennen sind das Gebiss, das Herz, die Rippen, Hoden sowie die Wirbelsäule des Kängurus.
Malereien wie diese haben für den Kuninjku-Clan, dem Yirawala angehörte, mehrere Bedeutungsebenen. Zum einen dienen sie seit Jahrhunderten der Weitergabe von anatomischem Wissen, wobei auch die Muster Informationen für eingeweihte Gruppenmitglieder enthalten: Wohin muss der Speer treffen, um das Tier zu töten? Wo liegt die Muskulatur, wo das fettreiche Fleisch? Zum anderen erinnern die Rindenmalereien an Ahnenwesen, die das Land schufen und mit ihren Körpern gestalteten. Sie werden von den Aboriginal People bis heute in vielen Zeremonien, darunter auch Tänze, verehrt. In den Tierdarstellungen selbst erkennen Initiierte spirituelle Landkarten, die den Anspruch der einzelnen Clans auf bestimmte Gebiete begründen.
Yirawala, dank seiner Innovationskraft auch als „Picasso der Aborigine-Kunst“ bekannt, nutzte seine Berühmtheit, um auf die Bedeutung des jahrtausendealten kulturellen Erbes Australiens aufmerksam zu machen und sich für die Landrechte der Aboriginal People einzusetzen. Mit Erfolg: 1976 erkannte die australische Regierung die Aboriginal People als Eigentümer von Arnhem Land, einem Gebiet von der Größe Portugals, an.



